30-30 Ackley improved im Unterhebelrepetierer – ein Bericht

Aus einem etwas längeren Thread entwickelte sich eine Eigendynamik und während diese Zeilen geschrieben sind, befinden sich zur Zeit 3 Unterhebelrepetierer des Types Marlin 336 beim Büchsenmacher zur Konvertierung in 30-30 Ackley improved. Aber warum will man sich diese Mühe machen?

Zuerst einmal, die 30-30 Winchester ist eine bewiesen hochwildtaugliche Patrone. Geschichtlich als eine der Ersten mit 30gr rauchlosen Pulvers (ähnlich IMR 4064) geladen wurde sie von den Jägern ihrer Zeit (der Berühmteste war Teddy Roosevelt) hoch gelobt und eigentlich fast Alles Wild zur Strecke gebracht. Leider ist eine Provinenz dieser Art für die deutsche Jagd nicht ausreichend. Es zählen zwei Forderungen: >6,5mm und >2000J auf 100m
Die Kalibergröße ist erfüllt, aber leider ist das Problem der Energie nicht gelöst. Dank der Röhrenmagazine benötigt man i.d.R. Flachkopfgeschosse. Bleifreie Geschosse lassen zu wenig Pulvervolumen in der Hülse um die notwendige Geschwindigkeit zu erreichen, bleihaltige Flachkopfgeschosse halten die Energie nicht auf ausreichende Entfernung. Die üblichen Verdächtigen (Unterhebelrepetierer) haben einen 20" Lauf. Fabrikmunition mit weicher Plastikspitze wäre nun die Lösung für das Geschwindigkeitsproblem, aber nur aus einem 24" Lauf (z.B. Einsteckläufe) ist die E100 ausreichend. Handgeladene Munition ist unter Einhaltung der CIP-Drucklimits kaum auf die notwendige Energie zu bekommen.

Was ist also des Rätsels Lösung? Die 30-30 kann die deutschen Forderungen nicht erfüllen. Eine Alternative wäre eine neue Waffe, aber der leichte und kompakte Unterhebelrepetierer ist zu schön um nicht genutzt zu werden. Die 45/70 leidet an ihren eigenen Bleifreiproblemen, die 308mx und andere schnellere Patronen sind exoten mit schlechter Munitions- und Komponentenverfügbarkeit.
Was bleibt also übrig? Den Pulverraum der 30-30 vergrößern.

Eine Möglichkeit dazu ist von P.O. Ackley vorgelebt worden. Die Hülse wird von der Flaschenhülse weiter zylindrisch aufgeblasen, dazu die Schulter vorverlegt und ein steilerer Schulterwinkel gewählt. Das Ergebnis ist die sogenannten "ackley improved" oder AI mit mehr Pulvervolumen, weniger Belastung der Hülse und damit einer längeren Haltbarkeit und weiterer Verwendung des weit verbreiteten 30er Kalibers. Die Hülsen werden durch sogenanntes "Feuerformen" also Abschuss einer Treibladung mit oder ohne Geschoss aus handelsüblichen 30-30er Hülsen gewonnen. Handelsübliche 30-30 Munition kann, ggf mit geringen Präzisionseinbußen, weiter verwendet werden.

Der 30-30 AI hat Deutschland nun ein paar Hürden in den Weg gelegt. Bearbeitungen dieser Art dürfen leider nur von einem Büchsenmacher (oder mit Genehmigung) durchgeführt werden. Die Anzahl der in Deutschland praktizierenden BüMas, die solch eine Arbeit durchführen wollen, ist eher gering. Nach ca. 10 Telefonaten gelang es, schließlich jemanden in Bayern zu finden der das Aufreiben durchführen würde.
Das nächste Problem waren die Werkzeuge. Leider sind diese nicht regelrecht von den deutschen Herstellern ausleihbar, so dass man sich die Reibeahle (Freinreibeahle, finish reamer) selbst organisieren muss. Als deutscher Hersteller kommt hier Triebel Waffenwerkzeuge, im US-Raum Pacific Tool & Gauge, Clymer Tools oder Manson Reamers in Frage. Zusätzlich benötigt man ebenfalls noch einen Satz Lehren zum Einstellen des Verschlussabstandes. Diese wurden "organisiert", ebenso wie die notwendigen Matritzen für das Wiederladen.

Das weitere Problem war das Finden eines passenden Beschussamtes. Hierbei war der beauftragte Büchsenmacher behilflich – das BA München hat sich bereit erklärt, einen CIP-konformen Beschuss durchzuführen.

…….. Fortsetzung folgt.

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